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ZUR ENTSTEHUNG DES TROPISCHEN TIERKREISES
Problemstellung
Im Kontext des Streits um die Bedeutung der Präzessionsbewegung für
die Astrologie wird zuweilen (vgl. z.B. Robert A. Powell, Hermetische Astrologie,
Urachhaus 2001) die Ansicht vertreten, der tropische Tierkreis sei dadurch
in die Astrologie eingeführt worden, dass zu einer Zeit, als der Beginn
des von den Babyloniern definierten siderischen Zodiaks mit dem Frühlingspunkt
beinahe übereinstimmte, Claudius Ptolemäus im 2. Jahrhundert n. Chr.
den Anfang des Zeichens Widder mit eben diesem Frühlingspunkt gleichsetzte.
Da vor allem dessen Buch „Almagest” von den späteren arabischen
und abendländischen Wissenschaftlern mit gutem Grund als Standardwerk
der Astronomie betrachtet wurde, habe sich hier, mehr oder weniger unbewusst,
eine tropische Definition des Tierkreises eingeschlichen. Die nachfolgenden
Ausführungen haben zum Ziel, diese Ansicht als nicht haltbar aufzuzeigen,
indem demonstriert wird, dass der tropische Tierkreis schon geraume Zeit vor
Ptolemäus eingeführt wurde, und dass dies eine sehr bewusste Neudefinition
darstellte.
Hipparchos
Hipparchos von Nicäa (ca. 190-125 v.Chr.) gilt
als der Entdecker1 der Präzessionsbewegung.
Vieles weist allerdings darauf hin, dass die Babylonier die Verlagerung des
Frühlingspunktes schon längst vor Hipparchos kannten (van der Waerden
1988, S. 186). Wir wissen auch, dass Hipparchos sich dem chaldäischen
Brauch anschloss, das Kalenderjahr mit dem Frühling beginnen zu lassen,
während die älteren Griechen (z.B. Aratos) noch die Sommersonnenwende
als Jahresanfang benutzten. Dennoch steht fest, dass Hipparchos unabhängig
von den Babyloniern seine Ergebnisse erzielte.
Für die Geschichte der Astrologie ist nun entscheidend, welche Konsequenzen
aus der Entdeckung des Hipparchos gezogen wurden. Es ist sehr umstritten, inwiefern
Hipparchos sich der Astrologie gewidmet hat. Er lebte allerdings zu einer Zeit,
in der die Astrologie in der hellenistischen Kultur sich rasch ausbreitete,
und wurde von späteren Astrologen zumindest als wichtige Autorität
zitiert (z.B. Firmicus Maternus, Mathesos libri VIII, Ascella Publications
1995). Hipparchos vertrat jedenfalls einen tropische Definition des Zodiaks
(B.L.van der Waerden, Die Astronomie der Griechen, Darmstadt 1988). Demnach
war 0° Widder definitionsgemäß der Frühlingspunkt, und
die 12 Tierkreiszeichen waren gleich große Abschnitte der Sonnenbahn,
die von diesem Punkt aus gezählt wurden.
Euktemon
Diese tropische Einteilung des Tierkreises geht
auf Euktemon zurück (van
der Waerden). Er definierte schon im 5.Jahrhundert v.Chr. die Äquinoktien
und Solstitien als Anfänge der Zeichen Widder, Krebs, Waage und Steinbock.
Euktemon scheint sich nicht mit Astrologie beschäftigt zu haben, hat aber
die chaldäischen Tierkreiszeichen mit den Monaten seines an den Äquinoktien
orientierten Sonnenkalenders gleichgesetzt. Diese Definition des Tierkreises
wurde von griechischen Astronomen wie Kallipos und Hipparchos übernommen.
Diese tropische Einteilung griechischer Astronomen ist möglicherweise
von den Babyloniern übernommen worden, insofern diese ein System benutzten,
das die Aufstiegszeiten von zwölf Abschnitten der Ekliptik anzeigte (O.Neugebauer,
A History of Ancient Mathematical Astronomy. New York 1974). Diese Abschnitte
waren symmetrisch zum Frühlingspunkt angeordnet, wurden aber von den eigentlichen,
siderischen Tierkreiszeichen klar unterschieden. Die späteren griechischen
Astrologen haben offensichtlich beide Einteilungen miteinander identifiziert
bzw. verwechselt, was durch die beschriebene tropische Definition der Tierkreiszeichen
verständlich ist.
Geminus
Eines der wichtigsten Zeugnisse über die Einführung
des tropischen Tierkreises durch die Griechen ist bei Geminus2 zu finden.
Er schrieb um 70
v. Chr. sein astronomisches Werk „Einführung in die Phänomene”.
Bei ihm ist zu lesen:
„Der Begriff 'Zeichen' wird in doppeltem Sinne verwendet: auf der einen
Seite der zwölfte Teil des Tierkreises ... auf der anderen Seite eine Figur,
die durch Fixsterne gebildet wird ... Die Tierkreiszwölftel sind in der
Tat gleich groß ... Die katasterisierten Zeichen sind weder in ihren
Dimensionen gleich, noch werden sie von der gleichen Anzahl an Sternen gebildet,
noch füllen sie den Raum entsprechend der Tierkreiszwölftel vollständig
aus” (Geminus 1993, S. 3-5)3.
Die Einteilung des Tierkreises in zwölf gleich große Abschnitte
stammt von den Babyloniern. Dort ist sie spätestens seit dem 5. Jahrhundert
v.Chr. geschichtlich belegt4 (Kollerstrom 1997, S. 7). Es handelt es sich dabei
um eine siderische Einteilung, wie uns Geminus mitteilt:
„
Die beiden Sonnenwendpunkte und die Tag- und Nachtgleichen finden, nach Meinung
der griechischen Astronomen, jeweils im ersten Grad der Zeichen statt, nach
Meinung der chaldäischen Astronomen im achten5 Grad derselben ... Die Punkte
in den Zeichen, an denen die Tag- und Nachtgleichen und die Sonnenwenden stattfinden,
sind bei allen Astronomen identisch. Es gibt nur einen Unterschied zwischen
den Griechen und Chaldäern in der Art, die Zeichen einzuteilen, da der
erste Grad der Zeichen für die einen und für die anderen nicht derselbe
ist” (Geminus 1993, S. 9).
Eine dritte Stelle bei Geminus lautet: „Man sagt, zwei Zeichen seien
in Syzigie (Antiszium), wenn sie an der selben Stelle aufsteigen und an der
selben Stelle untergehen; es sind die Zeichen, welche innerhalb derselben Breitenkreise
liegen. Die Alten ... erklärten, dass der Krebs keine Syzigie mit anderen
Zeichen bildet ... da die Sommersonnenwenden im Zeichen Krebs stattfinden.
... Aber diese Theorie ist ganz falsch, denn die Wendepunkte finden nicht im
Krebs als Ganzem statt, sondern es handelt sich (jeweils) um einen einzigen
sichtbaren Punkt. ... Das Zeichen Krebs hat eine symmetrische Position zu dem
der Zwillinge: das eine und das andere Zeichen haben denselben Abstand zu dem
Sommersonnenwendpunkt” (Geminus 1993, S. 27-35).
Diese Ausführungen des Geminus weisen auf eine frühere Einteilung
hin, die den sommerlichen Wendepunkt auf 15° Krebs lokalisierte. Dies entspricht
dem Schema der chaldäischen Monate (12 Monate à 30 Tage), wie es
schon in den Keilschrifttexten des MUL.APIN im 7. Jahrhundert v.Chr. benutzt
wurde6. Dabei waren die Monate so verteilt, dass die Wendepunkte eben genau
in der Mitte der jeweiligen Monate stattfanden. Die Einteilung in gleich große
Tierkreiszeichen scheint ursprünglich aus diesen Monaten hervorgegangen
zu sein7.
Auf jeden Fall haben die Chaldäer – zumindest der späteren
Zeit – einen siderischen Zodiak gleich großer Zeichen benutzt,
und es waren die Griechen, welche den tropischen Tierkreis definiert haben
(vgl. Kollerstrom 1997). Das war keine Verwechslung, sondern eine glasklare
Definition, und sie ist offenbar griechischen Astronomen wie Euktemon und Hipparchos
zu verdanken. Wahrscheinlich hat auch Posidonius zur Verbreitung dieser Doktrin
beigetragen. Jedenfalls scheint es im ersten Jahrhundert v. Chr. unter führenden
griechischen Astronomen und unter manchen Astrologen einen mehr oder weniger
breiten Konsens gegeben zu haben, dass der Frühlingspunkt gleich 0° Widder
ist. Die Tatsache, daß Posidonius ein Anhänger der Stoa war (ebenso
wie Manilius, s.u.) läßt vermuten, daß es vor allem Anhänger
dieser philosophischen Schule waren, welche die tropische Definition des Tierkreises
in die Astrologie einführten.
Marcus Manilius
Marcus Manilius lebte Anfang des ersten Jahrhunderts
n. Chr., er beschrieb in seiner „Astrologie” – einem astronomisch-astrologischen
Lehrgedicht – ebenfalls einen tropischen Tierkreis. Unter den vielen
Stellen, die dies belegen, seien hier zwei kurz genannt:
„Kaum macht der Krebs den Tagen ein Ende, kaum bringt sie der Winter wieder” (Manilius
1990, S. 229/230). „Denn der Widder entführt den Nächten so viele
Stunden, wie sie zuvor die Fische für sich herausgeholt hatten” (Manilius
1990, S. 469/470).
Diese Stellen besagen im Grunde das selbe wie das zuletzt angeführte Zitat
von Geminus, nämlich dass die Tag- und Nachtgleiche und die Sonnenwenden
jeweils die Grenzen zwischen den Zeichen Fische/Widder, Zwillinge/Krebs usw.
bilden. Das Lehrgedicht von Manilius ist voll von Zitaten, die die Bedeutung
der Tag- und Nachtgleiche und der Wendepunkte für die Definition des Tierkreises
belegen8.
Firmicus Maternus
Ein weiterer wichtiger Autor der klassischen Astrologie
ist Firmicus Maternus. Er lebte im 3. Jahrhundert n. Chr., war jedoch selbst
kein Astronom. Seine Kenntnisse
in der Hinsicht waren eher bescheiden, um so mehr kann er als unverfälschter Überlieferer
astrologischer Tradition gelten. In seinem Werk „Matheseos libri VIII” geht
er ausführlich auf die Antiszien ein, wobei er eindeutig einen tropischen
Zodiak beschreibt. Firmicus führt die Antiszienlehre, der er großen
astrologischen Wert beimisst, explizit auf Hipparchos zurück (Maternus 1995).
Es kann also insgesamt kaum Zweifel daran geben, dass die Etablierung des tropischen
Zodiaks den griechischen Astronomen zu verdanken ist, und dass er zu einer Zeit
entstand, als der Frühlingspunkt und der siderische 0° Widder der Babylonier
noch nicht übereinstimmten.
Vettius Valens
Dennoch sind offenbar viele, ja die große Mehrheit der Horoskope, die uns
aus jener Zeit überliefert sind, nach einem siderischen Zodiak9 berechnet
worden10 (Jones 1997; Van der Waerden 1974, S. 309), gestützt auf die Autorität
der chaldäischen Tradition. Es bleibt die Frage, wie repräsentativ
unsere Sammlung von griechischen Horoskopen ist, die wir heute zur Verfügung
haben. Nach Neugebauer und van Hoesen (1959) sind zwei Drittel der griechischen
Horoskope, die überliefert sind, aus der „Anthologie” des Vettius
Valens, der etwa im zweiten Jahrhundert n. Chr. lebte. Dieser benutzte offensichtlich
den chaldäischen siderischen Zodiak (Neugebauer und van Hoesen 1959, S.
172). Allerdings ist es auch nicht völlig auszuschließen, wenn auch
unwahrscheinlich, dass Astrologen wie Vettius Valens mit einem tropischen Zodiak
arbeiteten, dessen Beginn 8° oder 10° vor dem Frühlingspunkt lag.
Jene Unklarheiten machen im Grunde nur deutlich, dass die Kenntnis der Präzession
(die ja damals und im Mittelalter als Trepidation interpretiert wurde, also als
Pendelbewegung des Frühlingspunktes in einem bestimmten Bereich des Zodiaks)
sich nur langsam durchsetzte, und dass die daraus erwachsenden Konsequenzen den
damaligen Astrologen erst allmählich bewusst wurden.
Wie repräsentativ Vettius Valens für die anderen griechischen und römischen
Astrologen ist, von denen wir kaum Beispielhoroskope haben, ist schwer zu beurteilen.
Vettius Valens war sicher ein sehr bedeutsamer Autor, seine „Anthologie” bildet
das umfassendste und in vielerlei Hinsicht interessanteste Werk der hellenistischen
Astrologie. Der Grund, weshalb er in der westlichen Tradition relativ wenig bekannt
ist, liegt daran, dass er zwar den Arabern aus persischen Übersetzungen
vertraut war, jedoch sein Werk dem christlichen Abendland vorenthalten blieb.
Seine Astrologie ist der des Dorotheus von Sidon11 in vieler Hinsicht verwandter
als jener des Ptolemäus. Ähnlich wie Dorotheus schöpft Vettius
Valens aus der chaldäischen und ägyptischen Überlieferung, er
zitiert häufig das verloren gegangene Werk des Nechepso-Petosiris.
Ptolemäus
Die Astrologie des Ptolemäus weicht in wichtigen Punkten von der des Vettius
Valens oder der des Dorotheus ab. Offenbar gab es damals verschiedene Strömungen
innerhalb der sich rasch entwickelnden hellenistischen Astrologie, auch wenn
ihre gemeinsame Wurzel in der chaldäischen Astrologie und vor allem in den
hermetischen Schriften zu suchen ist.
Es liegt nahe, die Astrologie des Ptolemäus einer Strömung zuzuordnen,
die stark von der stoischen Philosophie beeinflusst wurde und die in der Linie
des Hipparchos und Poseidonius – beides Stoiker – anzusiedeln ist.
Jene Strömung hatte den tropischen Zodiak angenommen, während parallel
dazu andere bedeutsame Astrologen den siderischen Tierkreis chaldäischen
Ursprungs benutzten – zu einer Zeit, als die Differenzen zwischen beiden
kaum ins Gewicht fielen.
Ein Hinweis darauf, daß der Unterschied zwischen siderischem und tropischem
Zodiak den damaligen Astrologen sehr wohl bewußt war, findet sich bei van
der Waerden (Geschichte des Zodiaks, in Archiv für Orientforschung n°16,
1953, auf Spanisch veröffentlicht in der Zeitschrift Beroso n°1, 2000).
Er verweist auf einen Kommentar von Theon von Alexandrien (4.Jahrh.) über
die Benutzung der Planetentafeln des Ptolomäus, aus dem hervorgeht, daß „die
Alten” eine Rechenroutine anwandten, mit der die Planetenpositionen siderisch
umgerechnet wurden. Van der Waerden folgert: „Offensichtlich war es der
Zweck dieser Norm, die tropischen Längen (die etwa den Tafeln des Appolonius,
des Hipparchus oder des Ptolomäus entnommen waren) in siderische Länge
umzuwandeln. Der Bericht des Theon zeugt sehr deutlich von der Popularität
des siderischen Tierkreises unter den Astrologen der letzten römischen Periode”.
Fazit
Man kann davon ausgehen, dass es in den Jahrhunderten
nach Hipparchos – etwa
zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 6. Jahrhundert n. Chr., wenn nicht
sogar später – eine Übergangsperiode gegeben hat, in der – je
nach Autor bzw. den gerade zur Verfügung stehenden Tabellen – ein
tropischer oder ein siderischer Tierkreis benutzt wurde (vgl. Kollerstrom 1997).
Nach Fagan (1951, S. 29) konnte sich der tropische Tierkreis erst im 6. Jahrhundert
n.Chr. endgültig durchsetzen.
Claudius Ptolemäus kann als wichtigster Vermittler und Verfechter eines
tropischen Tierkreises gelten, aber er hat ihn nicht erfunden. Die Araber schließlich übernahmen
von Ptolemäus die Astronomie. Was allerdings die Astrologie anbelangte,
so war für sie Ptolemäus nur ein Autor unter anderen, keineswegs die
größte Autorität auf diesem Gebiet. Aus zahlreichen astrologischen
Werken wie die des Messallah oder des Ali ben Ragel geht hervor, daß die
arabische Astrologie sehr stark von Dorotheus von Sidon beeinflußt wurde.
Dessen Carmen astrologicum wurde um 800 n.Chr. vom Persischen ins Arabische übersetzt
(Dorothei Sidonii Carmen astrologicum, ed. David Pingree, Teubner Verlagsgesellschaft,
Leipzig 1976).
Durch die Verschmelzung der babylonischen Traditionslinie mit der griechischen
Philosophie und Astronomie im Reich Alexanders des Großen entstand die
Astrologie, wie wir sie heute kennen. Jene aus babylonischer, ägyptischer
und hellenistischer Weisheit zu einem großartigen System zusammengewachsene
Kosmologie übernahm von der griechischen Astronomie den tropischen Tierkreis,
der seitdem in der westlichen klassischen Astrologie benutzt wird.
Literatur
Fagan, C. (1951): Zodiacs Old and New. Anscombe, London.
Geminus (1993): Introducción a los fenómenos. Ed. Gredos, Madrid.
Dorotheus von Sidon (1976): Carmen astrologicum. Teubner, Leipzig
Kollerstrom, N. (1997): The Star Zodiac of Antiquity. Culture and Cosmos
1 (2),
5-22.
Manilius, M. (1990): Astronomica – Astrologie. Reclam, Stuttgart.
Maternus, F. (1995): Matheseos liber secundus. Ascella Publications, Mansfield.
Neugebauer, O.; van Hoesen, H.B. (1959): Greek Horoscopes. The American Philosophical
Society, Philadelphia.
Papke, W. (1978): Die Keilschriftserie MUL.APIN – Dokument wissenschaftlicher
Astronomie aus dem 3. Jahrtausend. Dissertation, Fachbereich Altertums- und Kulturwissenschaften,
Univ. Tübingen.
Ptolemäus, C. (1912/13): Syntaxis mathematica (Almagest), Des Claudius Ptolemäus
Handbuch der Astronomie. Teubner, Leipzig.
Rochberg-Halton, F. (1984): New Evidence for the History of Astrology. Journal
of Near-Eastern Studies 43, 115-127.
Valens, V. (1993, 1994, 1996): The Antology, Book I, II, III, IV. The Golden
Hind Press, Berkeley Springs.
Valens, V. (2001): The Antology, Book VII. The Phaser Foundation, Cumberland.
Van der Waerden, B.L. (1974): Geschichte des Zodiaks, Archiv für Orientforschung,
Nr.16.
Van der Waerden, B.L. (1988): Die Astronomie der Griechen. Wissenschaftliche
Buchgesellschaft, Darmstadt.
- Diese Entdeckung wird uns übrigens von Ptolemäus im „Almagest” ausführlich
beschrieben (Ptolemäus 1912).
- Geminus hat aller Wahrscheinlichkeit nach auf
der in der damaligen Zeit durch ihren Wohlstand und ihr sehr reges intellektuelles
Leben herausragenden Insel
Rhodos gelebt. Hier hatte auch Hipparchos von Nicäa seine astronomischen
Beobachtungen betrieben und der stoische Philosoph und Astrologe Posidonius seine
berühmte Schule gegründet. Geminus war nachweislich ein Schüler
des Posidonius und ein Nachfolger des Hipparchos (F.Blass, De Gemino et Posidonio,
Kiel 1885, zitiert in der Einführung von Esteban Calderón Dorda zu
Geminus, Introducción a los fenómenos, Ed. Gredos, Madrid 1993).
- Deutsche Übersetzungen hier und bei den nachfolgenden Zitaten von Geminus
durch den Autor.
- In den Jahrhunderten davor waren in Mesopotamien
ungleich große, ganz an
den astronomischen Konstellationen orientierte Zeichen üblich – und
zwar keineswegs 12, sondern lange Zeit 17 oder 18 derartige Zeichen (Rochberg-Halton
1984, S. 122).
- Die chaldäische Festlegung auf 8° finden wir auch beim babylonischen
Astrologen Kidinnu im 3. Jahrhundert v.Chr. – sie ist bei den Historikern
der Astronomie als „System B” bekannt (B.L.van der Waerden, Die Astronomie
der Griechen, Darmstadt 1988). Eine etwas frühere Festlegung auf 10° ergibt „System
A”. Die Tatsache, dass die Babylonier den Frühlingspunkt verlegten,
ist einer der Hinweise darauf, dass sie die Präzessionsbewegung kannten,
jedoch einen siderischen Zodiak benutzten.
- MUL.APIN ist der Name einer Keilschriftsammlung
aus der Bibliothek des assyrischen Königs Assurbanipal in Ninive. Sie enthält Angaben über Konstellationen
und Fixsterne, deren heliakische Auf- und Untergänge etc. Papke (1978) hat
gezeigt, dass diese Angaben höchstwahrscheinlich aus der sumerischen Zeit
stammen, er datiert sie auf das 23. Jahrhundert v. Chr.
- Die Werte für den Frühlingspunkt in den Systemen A und B lassen darauf
schließen, dass etwa um 700 v. Chr. die Wendepunkte auf 15° der kardinalen
Zeichen lagen.
- Im übrigen gilt Manilius als Stoiker. Einer der bedeutendsten Vertreter
dieser philosophischen Richtung war auch der schon erwähnte Posidonius.
Die stoische Philosophie hat viel zur Verbreitung der Astrologie im römischen
Reich beigetragen.
- Meistens System B.
- Es gibt Studien, die bei diesen Horoskopen eine
konstante Durchschnittsabweichung der tropischen Positionen zugunsten
der siderischen belegen
(O. Neugebauer, H.B. van Hoesen, Greek Horoscopes, Philadelphia
1959).
Abgesehen
davon, dass die damaligen
Berechnungen der Planetenstände noch ungenau waren, wurden oft Planetenstandstabellen
benutzt, die nach chaldäischer Manier siderisch berechnet waren.
- Dieser übte den bedeutendsten Einfluss auf die spätere arabische
Astrologie aus.
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